Solarbrunnen für sauberes Trinkwasser

Ohne Wasser kein Leben. Der Mangel an sauberem Trinkwasser ist vielerorts ein wachsendes Problem. Auch in Eritrea ist Wasser, vor allem auf dem Land, seit jeher ein knappes Gut und das Leben infolgedessen mühsam und hart. Stundenlang transportieren die Menschen – überwiegend Frauen und Mädchen – Wasserbehälter auf ihrem Rücken, da die wenigen Brunnen häufig weit entfernt sind. Die Wege werden immer länger, da aufgrund des fallenden Grundwasserspiegels immer mehr Quellen versiegen.

Samila, 10 Jahre – früher musste sie eine Stunde gehen und den 20-Liter-Kanister auf dem Rücken schleppen

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, wird in einem ersten Schritt in sechs Dörfern Eritreas zusammen mit der örtlichen Bevölkerung Solarbrunnen errichten und damit etwa 4.800 Menschen mit sauberem Wasser versorgen.

Die Brunnen funktionieren wie folgt: Eine Pumpe fördert Grundwasser zutage und pumpt es durch Rohrleitungen in ein höher gelegenes Rückhaltebecken. Von dort wird es an verschiedene Zapfstellen geleitet. Den Strom für die Wasserpumpe liefern Solarzellen.

Ein solcher Brunnen, dessen Wasser das Leben von etwa 800 Menschen spürbar besser macht, kostet 40.000 €. Die Planung der Brunnenanlage übernehmen Ingenieure, vor Ort gebaut wird mit den Dorfbewohnern. Ein Solarbrunnen entsteht in fünf Schritten:

  1. Die Dorfgemeinschaft bildet ein Wasserkomitee, welches Bau und Betrieb organisiert.
  2. Das Wasserkomitee wählt tatkräftige Helferinnen und Helfer aus, den Bautrupp.
  3. Das Dorf entscheidet, wie viele Zapfstellen an welchen Plätzen errichtet werden.
  4. Die Anlage wird vom Bautrupp in sechs Monaten gebaut. Die Bohrung übernimmt eine Firma.
  5. Die Anlage wird durch das Wasserkomitee überwacht und gepflegt.

Gegen einen fairen Lohn halten Brunnenkomitees die Anlage instand, entstauben die Solarzellen und bewachen die Anlage nachts, um etwa Vandalismus vorzubeugen. Für das Wasser entrichten die Dorfbewohner eine geringfügige Abgabe. Sie ist niedrig, damit sich alle Einwohner Wasser aus dem Brunnen leisten können. Mit dem Erlös werden die Wartung der Brunnen und die Gehälter der Brunnenkomitees bezahlt.

Für die Einwohner der Dörfer handelt es sich bei den Brunnen um eine Win-Win-Situation. Die Menschen haben, ohne weite Wege gehen zu müssen, Zugang zu sauberem Wasser und können die Zeit stattdessen bei ihren Familien und bei der so wichtigen Feldarbeit verbringen. Kinder haben mehr Zeit für die Schule. Durch die entstehenden Arbeitsplätze können zusätzlich mehrere Familien ernährt werden.